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Ergonomie - Benutzerfreundliche Gestaltung

Bei der Bedienungsfreundlichkeit eines Internetauftritts läßt sich mit wenig Aufwand eine dauerhaft positive Wirkung erzielen, zumal die Kriterien dafür einfach und nachvollziehbar sind. Dazu gehört die Barrierefreiheit (in Großbritannien schon jetzt für kommerzielle Websites gesetzlich vorgeschrieben) sowie inhaltliche und gestalterische Regeln, die es den Besuchern ermöglichen sollen, sich auf der Website schnell zurechtzufinden und die angebotenen Funktionen fehlerfrei auszuführen.

Die ersten Sekunden entscheiden - Viele Besucher verlassen eine Website intuitiv schon nach wenigen Sekunden, weil sie mit Werbung oder chaotischem Inhalt überfrachtet ist, einen laienhaften, wenig ansprechenden Eindruck hinterlässt, ungepflegt und veraltet wirkt, oder die Zielgruppe emotional nicht anspricht. Eine Website für Jugentliche darf z.B. nicht im Deutsche-Bank-Look auftreten, oder eine Consulting-Firma sollte tunlichst nicht mit Schnäppchen-Angeboten daherkommen. Lassen Sie einen unvoreingenommenen Dritten für ganze drei Sekunden auf Ihre Homepage blicken, und lassen Sie sich dann seine Vermutungen über den Inhalt und den Anbieter schildern.

Grafische Gestaltung - Stil und Aufmachung muss zu Ihrer Zielgruppe passen und deren Erwartungen erfüllen. Das gewählte Design muss einheitlich die gesamte Website einschließen. Sehen Sie sich die Webseiten Ihrer erfolgreichsten Mitbewerber an und versetzen Sie sich in die Lage Ihres Kunden. Denken Sie daran, dass eine falsche Aufmachung (z.B. distanziert seriös im Stil einer Unternehmensberatung) zwar möglicherweise Ihre Mitbewerber beeindruckt, bei Besuchern aber Schwellenangst auslösen kann.

Usability und Strukturierung - Die gesamte Website sollte eine konsistente Bedienoberfläche und ein einheitliches Screen-Design aufweisen. Absolut essentiell ist eine übersichtliche, intuitive und logisch nachvollziehbare thematische Strukturierung der Menüs mit maximal zehn Hauptmenüpunkten. Die Mehrzahl aller Webseiten im Netz sind überladen, mehr oder weniger chaotisch organisiert und überfordern ihre Besucher. Fehler bei der thematischen Strukturierung sind am besten dadurch zu finden, indem Sie einen Fremden beim Suchen auf Ihrer Website beobachten und die Zeit messen, die er für die wichtigsten Aufgaben benötigt. Usability ist aber kein Selbstzweck. Erst kürzlich hat eine große US-Website die überraschende Beobachtung machen müssen, dass nach einem Redesign mit deutlich verbesserter Usability die Werbeeinnahmen durch Clicks um ein Drittel einbrachen, einfach weil die Besucher sich weniger lang auf der Website aufhielten.

Inhalt (Content) - Der Inhalt muss sich zielgerichtet den Benutzergewohnheiten und Erwartungen der Besucher, sowie der speziellen Zielgruppe im Besonderen anpassen. Das bedeutet: keine überlangen Texte (Wenn unvermeidlich, auf meherere Seiten aufteilen), sichtbare Gliederung, ein zielgerichteter Schreibstil (je nach Vorgabe eine journalistische, persönliche, technische oder werbeorientierte Ansprache), sowie eine sparsame, aber effektvolle Nutzung von Grafiken und Bildern. Phrasen und Selbstbeweihräucherung ("Unsere Philosophie...") liest und glaubt sowieso kein Mensch, also legen Sie Ihrem Darstellungsbedürfnis Zügel an, und geben Sie dem Besucher das, was er sucht.

Typografie und Lesbarkeit - Leicht lesbare und ansprechende Schrifttypen und angemessene Schriftgröße (üblicherweise 10pt), Fließtext sollte auch in verkleinerten Bildschirmfenstern von 800x600 ohne horizontales Scrollen lesbar sein, angemessene Verwendung von Hervorhebungen und Verlinkungen, sofern dies den Lesefluss nicht stört. Wer die Lesbarkeit seiner Website durch Maximieren des Browserfensters zu erhöhen glaubt, ist entweder ein skrupelloser Spammer, ein egozentrischer Rüpel, oder schlicht unfähig zur Kommunikation.

Grafiken und Multimedia-Inhalte - Flash-Intros sind nur in Ausnamefällen, vor allem im kreativen Umfeld sinnvoll. Sie befriedigen zwar das Darstellungsbedürfnis der Website-Betreiber ("Seht her, was wir für rolle Hechte sind!"), erzeugen aber oft Abwehr bei Besuchern, die schnelle Informationen erwarten, und sind Gift für die Suchmaschinenoptimierung. Als Illustration der Inhalte oder zur Schaffung eines passenden Ambientes sind visuelle Objekte essentiell. Sehr gut gemachte Animationen an der falschen Stelle können auch negative Wirkungen haben, wenn sie z.B. von einer bereits getroffenen Kaufentscheidung ablenken. Mit Sound verjagen Sie Besucher, die Ihre Website am Arbeitsplatz besuchen und solche, die während des Surfens eigene Musik hören.

Interaktive Elemente - Binden Sie Ihre Besucher ein, z.B. durch Umfragen mit Anzeige der Ergebnisse, und machen Sie die Kontaktaufnahme so einfach wie irgend möglich. Auch wenn Sie natürlich am liebsten alles über Ihren Kunden erfahren würden: er hat genau das gegenteilige Interesse! Halten Sie daher den Umfang der Kontaktformulare auf einem absoluten Minimum und kennzeichnen Sie Pflichtfelder eindeutig. Wer zum dritten Mal eine Fehlermeldung erhält, weil irgendwelche Angaben fehlen, den haben Sie möglicherweise für immer verloren. Die Kontaktseite signalisiert allen potentiellen Kunden im Subtext wie er gesehen wird: als Bittsteller, der sich gefälligst anzupassen hat, oder als Kunde, auf dessen Bedürfnisse Sie sich einstellen!

Barrierefreiheit - Keine unnötigen Hürden für die Benutzer mit Sehbehinderungen oder bei Darstellung auf kleineren Displays, wie Subnotebooks oder PDAs. Hier gilt es einen sinnvollen Kompromiß zu finden, der auch die zunehmend schärferen gesetzlichen Bestimmungen berücksichtigt. Viele Ratschläge zur Barrierefreiheit sind aber veraltet, weil sie neuere Hilfsmittel und Tools für Benutzer mit Behinderungen nicht berücksichtigen. W3C-Konformität der HTML-Seiten sollte selbstverständlich sein.

Vorbilder - Es ist ein offenes Geheimnis, dass die umsatzstärksten Websites oft ein grottenschlechtes Webdesign haben, und daß sich auf fantastisch gestylte Sites manchmal nur wenige Besucher verirren. Hier wird deutlich, dass der Inhalt, die Idee, aber auch die öffentliche Sichtbarkeit letztendlich die wesentlichsten Kriterien für den Erfolg im Web sind. Gewisse Top-Sites sind trotz schlechtem Webdesign erfolgreich geworden, und könnten mit etwas Fleiß ihre Position noch uneinholbarer machen. Oft macht Erfolg aber träge und hochmütig. Das kann Ihre Chance sein, mit besserer Ergonomie und Gestaltung dem Platzhirsch Marktanteile abzujagen. Sehen Sie sich die Webseiten Ihrer Konkurrenten aus der Sicht eines Kunden an, finden Sie heraus was stört, und machen Sie genau das auf Ihrer eigenenen Website besser. Auf Dauer wird nur derjenige im Wettbewerb das Rennen machen, bei dem alles stimmt, und zwar neben Ergonomie auch die Gestaltung , Suchmaschinenfreundlichkeit , die technische Realisierung und nicht zuletzt auch alle rechtlichen Fragen des Internetauftritts.