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becket.de

Diese Website einer bayerischer Werbeagentur ist etwas ganz besonderes, weil sie den herkömmlichen Kriterien des kommerziellen Webdesings scheinbar zuwiderläuft, aber gerade dadurch ein Interesse weckt, das im Medienbereich nötig ist um aufzufallen.

Die gesamte Site ist mit Macromedia Flash programmiert und daher ohne ein entsprechendes Plugin nicht zu betrachten, wäre aber auf herkömmlichem Wege auch nicht zu realisieren gewesen. Was sich für eine normale, kommerzielle Site verbietet, ist im Medienbereich völlig in Odrnung, denn dort wird wohl kein interessierter Kunde ohne Flash Plugin im Web unterwegs sein.

Interessant und vorbildlich ist aber die Realisierung, und daraus kann man so manches für das eigene Design lernen. Bereits beim ersten Besuch der Site fällt auf, dass trotz des sehr grafiklastigen Designs keine überlangen Ladezeiten entstehen. Man hat hier sehr geschickt die Größe der Module minimiert und auf die verschiedenen Unterseiten verteilt.

Auch der sofort einsetzende Sound ist nicht bloß die übliche, nervende Hintergrunduntermalung, sondern hinterläßt schon im ersten Hauptmenü den Eindruck, dass der Inhalt Spaß machen soll, und er unterstützt bei der Auswahl der Menüpunkte sehr gut den grafischen Effekt. Sofort wird die Assoziation "Film" und "Animation" klar, und die liebevoll ausgearbeiteten Details laden zum Weiterklicken ein, ohne den sonst üblichen Eindruck aufkommen zu lassen, dass der Designer mit den grafischen Effekten vor allem seine eigene Großartigkeit beweihräuchern möchte.

Unter Projekte wird gezeigt, wie man mit der Assoziation "Kino" Spannung aufbauen kann. Auch hier werden die Flash-Ladezeiten durch Vor-Animationen versteckt, und die Darstellung eines verwackelten Kinofilms mit passender Musik-Untermalung und den verschlossenen Filmrollen als Auswahlmenü ist absolut perfekt gemacht. An anderer Stelle locken Kurz-Animationen und kleine Spielchen, und sehenswert ist auch die Kontaktseite mit der wandernden Fliege und dem im wörtlichen Sinne schrägen Kontaktformular. Sehr gut gelöst auch der Kompromiß zwischen fester Seitendarstellung und Anpassung an die Größe des Browser-Fensters.

Die unübersehbar eingestreuten Hinweise auf Ingolstadt und Zachering sind ein sympathisches Understatement, denn sie stehen im Kontrast zum verbreiteten Größenwahn der "New York, Tokio, Paris"-Angeberei, aber wirken gerade durch die zur Schau getragene Bodenständigkeit vertrauenswürdig. Natürlich klappt das nur, weil die Site absolut professionell gemacht ist, denn die Orte "Ingolstadt" und "Zuchering" versprühen natürlich alles andere als internationalen Flair.

Trotz des fast perfekten Designs werden aber auch auf dieser Site Probleme sichtbar, die mit Flash-animierten Seiten prinzipiell nur schwer zu lösen sind. Vor allem merkt man als Web-Besucher, wie sehr man sich an die üblichen Methoden zur Seitennavigation gewöhnt hat. Zurückspringen zur letzten Seite funktioniert hier nicht mehr, die grafischen Symbole zur Navigation sind naturgemäß nicht an der üblichen Stelle, und wegen des zweistufigen Hauptmenüs kommt man außer durch "Reload" überhaupt nicht mehr zurück zur obersten Menüebene mit der Sprachauswahl. Beim Firmenlogo oben links hätte immerhin dieses Problem leicht gelöst werden können, wenn das Logo als "Home"-Navigation verwendet worden wäre. Auch die Aufforderung "Blättern Sie mit der Maus unser Portfolio durch" könnte etwas weniger verwirrend wirken, wenn ein Klick auf die Buchseite irgendwohin führen würde, denn das nicht animierte "Blättern"-Symbol ist zu unscheinbar um es als Navigations-Button sofort zu erkennen.

In Bezug auf Suchmaschinenfreundlichkeit zeigt sich, wie hoch der Preis ist, den man für eine komplett in Flash animierte Seite zu zahlen hat, obwohl hier auch hausgemachte Fehler hinzukommen. Die Website unter der Städtedomain www.zuchering.de laufen zu lassen, ist mehr als ungeschickt, denn sobald die Gemeinde Zuchering eine eigene Website haben möchte, ist die Domain weg.

Man sieht auch sehr schön, wie Google zwar versucht hat alle Unterseiten der Website zu indizieren, dabei aber nur Datenmüll herauskommt (Google-Suche) Der Content taucht zwar alternativ auch unter www.beckett.de (jeweils mit und ohne zwei "t") auf, aber das ist sehr schlecht, weil Suchmaschinen duplizierten Content unter mehreren Domains alles andere als goutieren. Auf www.beckett.de gibt es noch kaum Backlinks, und Google hat hier praktisch überhaupt nicht vermocht etwas zu durchsuchen. Die Webseiten werden zwar korrekt unter beiden Schreibweisen www.becket.de und becket.de dargestellt, aber hier wäre ein 303-Redirect (Redirect Permanent) auf die bevorzugte Website und die bevorzugte Schreibweise (entweder ohne oder mit "www") dringend angeraten, um beim Pagerank wenigstens den verbliebenen Rest nicht noch weiter zu verwässern. Warum hier klassische HTML-Frames verwendet wurden, ist auch unklar, aber offensichtlich hat man die Suchmaschinenfreundlichkeit vorn vorne herein komplett abgeschrieben, was zwar nicht richtig, aber doch irgendwie konsequent ist.

Insgesamt also eine beeindruckende und professionelle Vorstellung von Mediendesignern, die sich damit zur Realisierung von Webseiten empfehlen, bei denen der visuelle Effekt im Vordergrnd steht.

01/2006 ka