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ddb.de - Die Deutsche Bibliothek

"Die Deutsche Bibliothek ist die zentrale Archivbibliothek und das nationalbibliografische Zentrum der Bundesrepublik Deutschland und erfüllt die Funktion einer Nationalbibliothek." Angesichts dieses selbstgestellten Anspruchs und der beeindruckenden Zahl von 23.000 Seitenimpressionen pro Tag (interessanterweise mit leicht fallender Tendenz!) ist der Internetauftritt der Deutsche Bibliothek allerdings aus Webdesigner-Sicht schlichtweg peinlich.

Das Hauptproblem und völlig verhunzt ist die Seitennavigation. Es gehört zu den Grundprinzipien der Webseiten-Ergonomie, dass Links bzw. aktive Elemente klar und intuitiv als solche erkennbar sein müssen. In den Anfängen des Internets, und noch heute als Browser-Default, wird dazu die Unterstreichung verwendet. Weil das optisch nicht mehr als attraktiv empfunden wird, gehen die meisten Web-Designer bei der Navigation auf Mouse-over-Effekte über, die man selbst als HTML-Purist nicht unbedingt mit JavaScript realisieren muss, sondern auch mit W3C-konformem CSS barrierefrei programmieren kann. Alternativ ist zumindest eine einheitliche Link-Farbgebung nötig. Nichts davon ist hier vernünftig implementiert. Die Hauptnavigation besteht aus normalem Text ohne jegliche Link-Kennzeichnung. Im Body-Text sind die Links wenigstens farbig markiert, aber nicht mal diese Link-Farbe hat man einheitlich für die gesamte Navigation gewählt.

Zweites Problem der Navigation ist die Schriftgröße, die nicht nur aus ästhetischer Sicht unangemessen groß gewählt wurde. Die riesige Schriftgröße bewirkt auch, dass einzelne Menüpunkte mal über ein, mal über zwei Zeilen gehen, ohne dass es grafische Elemente gibt, die diese Menüelemente gruppieren. Beim schnellen Überfliegen sieht man dadurch Menüpunkte wie "Bibliothek", und darüber denn "Über die Deutsche", oder "online" und darüber "Informationsvermittlung", und es es ist nicht klar zu erkennen, ob diese beiden Zeilen einer oder zwei unterschiedliche Menüpunkte darstellen.

Völlig unverständlich ist die gewählte Fontgröße auch deshalb, weil diese Website ein ungewöhnlich reichhaltiges Informationsangebot verwalten muss. Statt darauf mit einem besonders gut strukturierten Menü, oder vielleicht mit einer zweidimensionalen Menüstruktur zu reagieren, hat man sich zur schlechtest möglichen Lösung entschlossen, nämlich der Einführung von Frames, was nicht nur technologisch überholt, und im Hinblick auf Suchmaschinenfreundlichkeit tabu sein sollte, sondern vom Benutzer verlangt, dass er das Menü-Fenster scrollen muss, um alle Einträge zu sehen.

Immerhin hat man nach der Auswahl eines Hauptmenüpunktes eine farbige Markierung spendiert. Dass dann aber auch mal zwei Menüpunkte gleichzeitig markiert werden, wie im linken Bild zu sehen: wen scherts. Bei der dritten Unterebene scheint aber selbst dem Webdesigner aufgegangen zu sein, dass die Schriftgröße unangemessen ist, aber wieseo nicht schon bei der zweiten Menüebene?

Hat man sich erst mal in den Untiefen der Menüstruktur verirrt, gehört es zum Standard jeder Website, schnell und intuitiv zur "Home"-Ansicht zurückzugelangen. Auf dieser Webiste aber Fehlanzeige. Kein Menüpunkt "Home", ein Klick auf die Bilder oben links (auch ein de-facto-Standard) bewirkt nichts, erst ein Klick auf das Logo oben rechts führt wieder zurück.

Wenn ich schon so viel Content anbiete und nicht in der Lage bin, diesen vernünftig zu strukturieren, muss ich wenigstens eine Online-Suche bieten. Diese ist auch unten links auf der Eingangsseite vorhanden, die Maske verschwindet aber, sobald man einen Hauptmenüpunkt angewählt hat. Sobald sich Besucher verirrt hat, kann er also nicht mal mehr suchen! Eine solche Suchmaske gehört an einen festen Platz und sollte von jeder Unterseite aus einheitlich erreichbar sein.

In Schulnoten ausgedrückt verdient die Navigation insgesamt eine glatte 6, und es gibt kaum eine ähnlich wichtige Website, die in diesem Punkt noch schlechter wäre. (Falls doch, wären wir für einen Hinweis dankbar!)

Gibt es denn gar nichts, wes auf dieser Website richtit gemacht wurde? Die HTML-Programmierung jedenfalls nicht, denn sie ist überdurchschnittlich fehlerhaft. Auch die Tatsache, dass manche Menüpunkte ein neues Fenster öffnen, ohne dass dies zuvor klar erkennbar wäre, ist unprofessionell, zumal selbst bei einem neuen Fenster nicht unmittelbar klar wird, ob man die Website verlassen hat, oder nicht. Manchmal verläßt man das eigene Angebot auch ohne neues Fenster - sehr verwirrend.

Dass man unter anderem aus Gründen der Suchmaschinenfreundlichkeit keinen Content auf verschiedenen Domänen duplizieren sollte, ist zur Deutschen Bibliothek offenbar noch nicht durchgedrungen. Die gesamte Website dupliziert sich sowohl auf deutschebibliothek.de als auch auf deutsche-bibliothek.de. Es ist ja richtig, auch andere Schreibweisen einer Domain zu registrieren, aber dann gehört auf alle sekundären Domänen ein permanentes Redirect zur Hauptwomäne. Die "www."-Schreibweisen werden zwar zur Hauptdomäne ddb.de umgeleitet, aber mit einer ungeeigneten Form der Weiterleitung.

Gut gelöst ist die Wahl der Farben und die Einheitlichkeit der Body-Textgestaltung. Der hellblaue Hintergrund wirkt freundlich und die Seiten sind allgemein gut lesbar. Grafiken sind angenehm sparsam, aber zum Teil effektvoll eingesetzt. Auch die Antwortzeiten des Webservers sind ausgezeichnet, wozu sicherlich auch der Verzicht auf unnötige Gestaltungselemente beiträgt.

Bleibt zu fragen, wie es zu solch eklatanten Fehlern kommen konnte. Eine professionelle Webdesign-Firma darf bei einem Projekt dieser Größenordnung so etwas eigentlich nicht abliefern. Erklärbar ware es vielleicht ale Ergebnis einer öffentlichen Ausschreibung mit Auswahl eines Dumping-Anbieters. Oder ist das etwa in Eigenarbeit programmiert? Ist dem Verantwortlichen die Ergonomie vielleicht gleichgültig, oder traut sich niemand, ihn auf diese Defizite hinzuweisen?

8/2005 ka

Nachtrag: Inzwischen wurde das Design gründlich überarbeitet und verbessert. Glückwunsch!

2/2007 ka